Tiefes Nachtblau legt sich über die Dächer der Stadt, damit die Träume leuchten können. Es scheint, als hätte sich die Welt schlafen gelegt. Nur das Licht einer Schreibtischlampe scheint durch das Fenster nach draußen. Das Klackern auf der Tastatur durchbricht die Stille. Gedanken kreisen. Tee wird kalt. Und die Finger schreiben weiter. Sie schreiben, als gäbe es keinen Morgen…
Willkommen in meinem Leben. 🫣
Ich schreibe, seit ich schreiben kann. Und ich liebe es, nachts zu schreiben. Wenn alle schlafen. Ich habe das Gefühl, als hätten meine Gedanken mehr Platz, weil alle anderen mit ihren Besitzern in anderen Sphären ruhen.
1. Schreiben ist wie ein Gespräch mit mir selbst
Menschen, die mit sich selbst reden, kommen irgendwie komisch rüber, oder? Zumindest, wenn sie es laut tun. Doch jedem ist klar, dass wir immerzu mit uns selbst reden. Im stillen Kämmerlein zumindest. Die Gedanken sind schließlich frei.
Doch unhöflich wie wir nun mal sind, hören wir uns selbst nicht wirklich zu. Wir kennen ja unser eigenes Gelaber. In den meisten Fällen erzählen wir uns immer wieder dasselbe: Warum guckt se denn schon wieder so, ich hab doch alles gemacht, wie sie es wollte? Was koch ich heute Abend? Oh Mist, morgen regnets, wenn wir zum Radeln verabredet sind. Eigentlich hab ich gar keine Lust mehr darauf. Sind noch Eier im Kühlschrank? Mann, Toni wollte ich noch anrufen, hab ich wieder vergessen und jetzt ist er schon im Bett. Die Blumen muss ich unbedingt noch gießen, wenn ich nach Hause komme…
Dazwischen verstecken sich – wie in einer Muschel – immer wieder Erkenntnisperlen, die im Dauergemurmel untergehen. Mein Unterbewusstsein kann ich übers Schreiben wunderbar sichtbar machen. Am besten mit Stoppuhr und ohne den Stift abzusetzen, damit ich nicht anfange „schön“ zu formulieren, sondern wirklich alles rauslasse, was sich da angestaut hat.
2. Schreiben – tiefgründig wie ein Tauchgang im Marianengraben.
Wenn ich mir etwas vornehme, sowas wie eine kleine persönliche Challenge, dann hilft mir das Schreiben dabei, wirkliche Erkenntnisse auszugraben. Es funktioniert nicht, einfach nur über etwas nachzudenken. Es muss festgehalten werden.
Wir können uns die Dinge, die gerade in uns vorgehen nicht merken, es sind eben nur flüchtige Gedanken.
All das Bekannte oberhalb der eigenen Wahrnehmungsgrenze ist nur die Spitze des Eisbergs, von dem wir nur 20 Prozent sehen. Der Rest des Giganten bleibt unter der Wasseroberfläche verborgen.
Unser Bewusstsein kratzt noch nicht einmal an der Oberfläche eines zugefrorenen Sees mitten im Winter. Stabil wie eine dicke Eisschicht können wir Schlittschuh darauf laufen, doch was darunter wirklich abgeht, bleibt oft im Verborgenen.
Schreibe ich die Dinge auf – und das, ohne groß zu formulieren und darüber nachzudenken – passiert etwas Magisches. Mein Stift gleitet unter das Eis und schnappt dort Dinge auf, die er aufs Papier bringt.
Gedanken, die in der bewussten Welt einfach (noch) nicht greifbar waren.
Meist kann ich das Geschriebene erst bei nochmaligen Lesen wirklich greifen. Manchmal vergesse ich einen Text und er springt mir genau im passenden Moment oder der richtigen Situation wieder ins Blickfeld und es macht: BOOOM ✨
Als hätte jemand das Licht in mir angeknipst.
Ich hätte mir tagelang mein Hirn zermartern und kaputt denken können und wäre nicht drauf gekommen. Doch manchmal braucht es einfach nur Zeit.
Vielleicht ungefähr so wie ein Gedanken-Jetlag; die Neuronen wurden gezündet und sind unterwegs, aber noch nicht in der Schaltzentrale angekommen. Die Leitung braucht noch etwas Zeit, bis sie so wirklich steht.
Ich käme nie im Leben wieder an meine Gedanken von gestern, geschweige denn von letzter Woche oder von vor 2 Jahren, wenn ich sie nicht irgendwo niedergeschrieben hätte. Gedanken sind so flüchtig wie Schmetterlinge im Garten, kaum zeigen sie sich, da sind sie auch schon wieder weg.
Elizabet Gilbert –> Gedanken sind „Wesen“
3. Ich kann mir in Ruhe überlegen, was ich wirklich sagen möchte.
Ich halte mich schon für kreativ, aber eins bin ich eher nicht so:
Schlagfertig.
Manchmal fällt mir 5 Stunden später (ganz spontan 🫣) ein, was ich hätte antworten oder wie ich hätte reagieren können.
Klar hätte ich das gern anders, aber ist immer noch besser, als im Kino den Witz erst 5 Minuten später zu kapieren und laut loszulachen, während die anderen schon wegen der traurigen Szene weinen.
Das Problem besteht beim Schreiben nicht. Ich kann stundenlang mit einem einzigen Wort ringen, bis es den Text genau dahin rückt, wo ich ihn haben möchte. Ich liebe es.
Das ist wie das letzte Teil in ein 5000er Puzzle zu platzieren. Es macht das Bild komplett. Das kann morgen anders aussehen, doch in dem Moment fühlt es sich rund an und das macht mich sehr zufrieden.
Und glücklich macht es mich auch.
4. Mein ganz persönlicher Loslassprozess: die Schreibmeditation.
Jeder verarbeitet Dinge anders. Es gibt Menschen, die drüber reden müssen oder drüber schlafen. Ich schreibe darüber.
Ich schreibe es mir von der Seele oder aus dem Kopf. Je nachdem…
Wenn ich mich über etwas ärgere und diesem Ärger nicht so Luft machen kann, wie ich es gern würde, um die Contenance zu bewahren, hämmer ich alles, was ich sagen möchte in einen imaginären Brief. Den schicke ich natürlich nicht ab, sondern ich zerknülle ihn und mit ihm wandert die Wut in den Müll.
5. Es ist wie eine Bibliothek meiner Gedanken.
Es kommt häufig vor, dass ich in einem älteren Notizbuch einen Text von mir von vor ein paar Jahren finde und ich mich nicht erinnern kann, sowas geschrieben zu haben.
Dieser Gedanke war mir nicht mehr bewusst, aber wenn ich ihn dann wieder lese (und ein bisschen beeindruckt von meiner Schreibe bin), kann ich oft wieder reindenken, andocken und den Faden wieder aufnehmen.
Ich weiß, was gemeint war und kann das, was in der Zwischenzeit an Erkenntnissen hinzukam, direkt mit einfließen lassen. Manchmal schreibe ich so an einer Idee weiter oder einem Blogartikel weiter.
6. Es ist ein Ausdruck ohne Bühne.
Ich mag weder das Rampenlicht noch viel Aufmerksamkeit um meine Person. Ich bin eher die, die aus der zweiten Reihe agiert (oder aus der dritten).
Das heißt natürlich nicht, dass ich nichts zu sagen habe, es muss nur eben nicht laut sein. Sich schreibend mitzuteilen ist eher mein Weg.
Es gibt auch keinen tosenden Beifall wie auf einer Bühne, die Reaktionen sind eher verhalten. Ich bekomme einen Kommentar, über den ich mich sehr freue oder eine Mail, in der mir jemand seine Geschichte erzählt, ermutigt von meinen Worten. Auch das finde ich toll, weil ich den Austausch mit Menschen sehr mag, eben nur nicht das Tohuwabohu drumrum.
7. Schreiben ist ein sicherer Raum.
Vielleicht bist du ebenso vorsichtig wie ich, mit wem du welche Dinge teilst. Wir sind halt „Sensibelchen“ und machen Dinge erst einmal gern mit uns selbst aus.
Zu verletztend können Worte sein, die ohne Bedacht wie eine Abrissbirne über unsere gerade gepflanzte Idee hinwegwalzen.
Wenn ich Ideen niederschreibe ist es so, als würde ich sie wie kleine Samen säen und beobachten, was dabei rauskommt, ohne dass ein anderer übers Beet latscht. Zumindest nicht so lange, bis ich das Gartentor für Außenstehende öffne.
Alles gut und schön, aber auf dieser Seite gehts doch um Marketing.
Ist Schreiben immer noch wichtig, trotz aller Insta-Reels und Tik Tok-Clips?
8. Texte bleiben – verkaufen dauerhaft/langlebig?
Seit Jahren wird gemunkelt: Die Zeit der Bücher ist vorbei. Niemand liest mehr. Der Verkaufszahlen beim großen A erzählen eine andere Geschichte.
Videos werden konsumiert und sind in Nullkommanix wieder weg wie eine Sternschnuppe am Sommerhimmel.
Texte bleiben.
Emotionen können wir mit Texten ebenso wecken wie mit Videos. Sie sprechen einfach eine andere Zielgruppe an.
Mich persönlich nerven Videos zuweilen, wenn ich nicht vorspulen kann, weil ich nur eine bestimmte Info möchte und nicht das ganze Drumrum. Ich kann nicht entscheiden, was genau ich konsumieren möchte, sondern bin gezwungen mir den kompletten Inhalt anzutun. Da bin ich raus.
Bei einem Buch,Zeitschrift oder Blogartikel kann ich einsteigen und zur gewünschten Info springen. Wenn mich der Text fesselt, lese ich das Buch gern von vorn bis hinten, aber ich muss es nicht.
Bei einem Text habe ich die Kontrolle und kann scannen, springen, speichern, je nach meinem Bedarf.
9. Text schlägt Video in Sachen Sichtbarkeit
Suchmaschinen lieben Texte, weil sie diese auf Webseiten (zumindest noch) besser auslösen können als Videos und Bilder.
In Texten kann ich gezielt Suchbegriffe einbauen, die Google und Ki finden und auslesen können. Klar strukturierte Text mit den passenden Keywords machen genau die Menschen darauf aufmerksam, die ich mir wünsche.
Ich kann Keywords einbauen, die meine Zielgruppe googelt, das klappt mit Instagram-Post oder Reel nicht.
Ein guter Blogartikel arbeitet sehr viel länger für mich als ein Instagram-Post.
10. Worte sind stille/leise Gefährten
Gerade bei erklärungsbedürtigen Produkten nervt es mich sehr, wenn es nur Video gibt. Ich mag es nachlesen. Möchte in Ruhe friemeln, um dann wieder auf den Text zu schielen. Ein Video muss ich permanent vor- und zurückspulen und treffe nur wenn ich Glück habe, wieder die richtige Stelle.
Ich weiß, ich weiß, man kann ein Video auch gleich anhalten, doch ich merke erst einige Sekunden später, dass ich eine Info nochmal brauch und dann geht das wilde Scratching los. In meinem Kopf wandere ich gerade zurück in die Kassettenrekorderzeit (ja, ich bin schon etwas älter) und denke daran, dass es beim vielen vor- und zurückspulen ganz sicher einen Bandsalat gegeben hätte.
Bleistift gezückt und Band wieder draufgenuddelt auf die Kassette. Bandsalat beseitigt. Ach ja, schön wars. Damals; als wir noch dachten, das wären Probleme…
Wie oben schon erwähnt: Texte können sorgfältig ausgewählt werden, was für eine Markenbotschaft nochmal wichtiger ist, als im privaten Kontext. Wenn dir als Unternehmer Worte wichtig sind, werden deine Kunden an deinen Lippen hängen, wenn du sie weise wählst.