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Im Einklang mit sich selbst sein klingt ja gut und schön. Doch wie soll das denn gehen bei dem ganzen Tamtam und Getöse? Und selbst wenn da was zu mir durchdringt und am Trommelfell zupft oder zwischen die Synapsen funkt, wer bitte spricht denn da? An dieser Stelle gebe ich offen und ehrlich zu:

ich bin nicht ganz alleine

Meine innere Stimme leidet zeitweise an multiplen Persönlichkeiten. Darf ich vorstellen: Engelchen und Teufelchen, mein Ego, mein höheres Selbst und da ich ja heute so musikalisch bin auch noch Kopf- und Bauchstimme.

Engelchen und Teufelchen, zwei Gefährten, die vozugsweise auf Schultern residieren und auf selbigen Schwafelsalven abfeuern. Anders ausgedrückt jeder von beiden labert in jeweils ein Ohr. Mahnt die eine „mach Sport“, brüllt der andere „SCHOKOLADE“. Also bei mir sind das teilweise Gladiatorenkämpfe und mein Kopf ist die Arena.

Das Ego buhlt ebenso um Aufmerksamkeit – ob sie ihm nun gebührt oder nicht – meist in Form von Äußerlichkeiten a la mein Haus, mein Boot, mein Pferd oder genauso beliebt:  Likes und Abonnentenzahlen.

Erst die Erfahrung dann die Logik

Kopf- und Bauchstimme säuseln ebenfalls im Duett, ähnlich den horizontalen Schulterhockern, jedoch auf vertikalem Niveau. Der Kopf spielt eine Situation rational durch, während der Bauch sich die entsprechende Emotion aus der Erfahrungskiste popelt. Erwiesenermaßen wird ja das Bauchgefühl im Bruchteil von Sekunden im eigenen Erfahrunsschatzarchiv fündig, da suchen die Synapsen im Gehirn immer noch nach geeigneten Zündfunken.

Irgendwie kommt es mir manchmal so vor, als ob das zwei ungleiche Partner wären. Selbst wenn ich noch zusammenkriege, was meine erste Idee war, rattert mein Kopf wesentlich lauter hinterher und übertönt jedes noch so zarte Bauchgefühl. Schon klar, ich brauche einfach mehr Bauchtraining. Immer wieder der Intuition trauen und sie so stärken, dann wird das Stimmchen schon lauter. Bei Bauchtraining meldet sich gleich auch das schlechte Gewissen, oh Gott, noch ’ne Stimme: „du solltest mal wieder…“,  sorry andere Baustelle.

So und als ob das noch nicht verwirrend genug wäre, stimmt jetzt noch der Chor der Außenwelt ein. Ein kunterbuntes Geschrei vom Feinsten. Das wird doch nie ’ne Melodie. Apropos Melodie…

Nur die guten Noten spielen?

Da fällt mir gerade eine Szene aus dem Film „Liebe braucht keine Ferien“ ein. Miles komponiert eine Melodie für Arthur. Die soll den sympathischen älteren Herren so aufbauen, dass er ohne Gehstock eine Bühne emporklettern kann. Und da er nun sowieso dabei war, schrieb er der schönen Nachbarin Iris auch gleich noch ein Stück. Für Iris‘ Melodie verwendete er ausschließlich die „guten Noten“.

In dieser Szene wurde mir noch einmal mehr bewusst, dass jeder von uns seine eigene Melodie hat. Auch die schiefen Töne gehören dazu, machen unsere Einzigartigkeit aus. Die Herausforderung ist wohl, den „guten Tönen“ zu folgen, sie erst einmal zu finden und zuzulassen.

Menschen beeinflussen unsere Stimmungslage, wir fühlen uns nicht bei jedem gleich. Auch Melodien lösen Emotionen aus, manche machen heiter, andere rühren zu Tränen oder lösen ein Gefühl der Enge aus. Letztendlich erkennen wir bekannte Menschen und „ihre“ Melodien wohl daran, dass sie die gleichen Emotionen in uns auslösen. Das ist mir erst durch das Schreiben dieses Artikels bewusst geworden, Schreiben ist eben doch anders als denken…

Einklang ist dein Klang

Heutzutage ist es oft sehr laut um uns herum (Glotze, Laptop, Smartphone, Musik). Wir lassen uns gern „unterhalten“.  Ist auf den ersten Blick verlockender unsere Aufmerksamkeit im Außen zu parken. Bis zu dem Moment, in dem es sich so anfühlt, als wären wir nicht mehr ganz bei uns, „im falschen Film“ sozusagen. Nicht verwunderlich, wenn wir so selten uns selbst lauschen.

Ich habe das Gefühl, dass wenn wir unsere Energie immer nach draußen lenken, Elementarteilchen unseres Selbst in die Außenwelt schleudern. Diese Lücken in uns sind Aussetzer in unserer Melodie. Sie fehlen uns zum Ganz sein.

Was also, wenn du in diesem ganzen Theater – ähm Orchester – dass wir Welt nennen, einen ganz bestimmten Ton beizutragen hast? Deine Stimme. Wenn diese nicht erklingt, weil du sie nicht singst (aus welchen Gründen auch immer), fehlt in unserem Weltensemble genau diese deine Klangfarbe. Der Platz kann von niemand anderem eingenommen werden.

All deine Facetten und deine Möglichkeiten,  genau wie die schiefen Töne, ergeben letztendlich DEINE MELODIE. Deinen Ein-Klang, klar und authentisch – deine stimmigen Noten.

Wie du deinen Klang findest?

Solange die Bauchstimme leise flüsternd nicht immer ganz verständlich ist und der Verstand im Kopf noch vorlaut plappert, warum nicht einfach ab durch die Mitte, deine Körpermitte? Schon der kleine Prinz sagte: man hört nur mit dem Herzen gut. Was da auf Resonanz stößt, kann so schief an Ton nicht sein.

Wie klingt deine Melodie?

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