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Gestern habe ich mir irgend etwas auf youtube angesehen, zwischendurch Werbung. Bis hierher nicht aufregend, eher nervig. Doch Moooment! ich erinnere mich nicht einmal mehr daran, was ich mir angesehen habe, die Werbung aber, die ist hängengeblieben. So sehr, dass ich heute darüber einen Blogartikel schreibe.

Also ich fange mal ganz von vorne an: Wenn youtube auf Werbung umschaltet, warte ich üblicherweise die obligatorischen 5 Sekunden ab. Mein Mausfinger schon am Abzug des eingeblendeten Fensters mit runterzählendem Countdown. Geschafft, Klick „Uberspringen“. Puh.

Doch Stop mal, Schussfinger entsichern. War das nicht Manuel Neuer? Häh, was macht der im Büro? Ist das Werbung für eine Versicherung? Das ist ja mal was anderes. Letztendlich nur Cola, doch egal.

Schon der Spot davor, „ich bin gar nicht Manuel Neuer“ ist hängengeblieben und war ab und an  ’ne Steilvorlage, wenn’s mal nicht so klappen wollte… „ich bin gar nicht der Klempner, sondern …“ Gut, ist angekommen, glaube ich.

Also wenn Manuel Neuer (so oft wie ich den Namen hier gebrauche, könnte google glatt denken, dass hier ist seine Fanpage) – sorry, ich schweife ab, zurück zur Geschichte. Also wenn Deutschlands Elite-Torwart Softwareprüfer wäre, wäre er höchstwahrscheinlich jetzt nicht so der Werbeträger, würde weniger Aufmerksamkeit erregen und müsste allerdings auch nicht für diesen Blogartikel herhalten :o) Er wäre dann einer von uns, ein Herdentier.

Nicht, das so ein Herdenleben grundsätzlich schlecht wäre, es hat nur seine Tücken. Seit wir auf unseren knubbligen Kinderbeinchen die Welt erkundeten, sind wir auf Anpassung programmiert. Und unsere Eltern haben es gut mit uns gemeint, denn Anpassung prognostizierte ein sicheres Leben. Sicherheit – verständlicher Weise ein beruhigendes Thema aus Sicht unserer Eltern.

Wir wurden also darauf getrimmt, in der Schule ruhig zu sitzen, schön leise zu sein, wenn die Erwachsenen sprachen und ja keine Widerworte zu geben. Da fällt mir ein wichtiges Gesetz aus meiner Schulzeit ein:

  1. §: der Lehrer hat immer Recht.
  2. §: Sollte dies ausnahmsweise mal nicht so sein, tritt automatisch § 1 in Kraft.

Bezeichnend oder?

Doch nicht alle passten in dieses Raster. Die lauten Schüler wurden vor die Tür gestellt, die zappeligen ermahnt (Ritalin gab es zu meiner Schulzeit noch nicht), die zu leisen (so wie ich) gedrängt, mehr aus sich herauszukommen. Genau diese Aufforderung machte es mir aber noch schwerer, mich zu zeigen. Das ist ungefähr so wie einem total verängstigtem Kind den einerseits üblichen wie ebenso unlogischen Satz ins schlotternde Antlitz zu schmettern: „Du musst keine Angst haben.“ Ahso, ja, schon klar. Dann schalt ich das eben mal ab.

Und rumms rein in die Selbstzweifelsabotagenummer

Also jemand wie du hat keine Angst, ich schon. Was stimmt mit mir also nicht? Bin nur ich so blöd? Und so kommt es, dass wir jedes Mal, wenn wir zaghaft etwas Neues versuchen ins Zweifeln kommen. Wir  schauen uns fragend um, ob irgendjemand wild kopfschüttelnd signalisiert: Lass es sein, bringt eh nix. Du bist zu … (kann wohl jeder ad hoc mit seinen eigenen Worten vervollständigen).

Es braucht einen starken Willen, um sich für seine Träume einzusetzen. Als Kind natürlich besonders, weil man nicht autonom ist. Und als Erwachsener, wenn man „eigentlich“ für sich selbst entscheiden kann, tut man es oft nicht, weil sich über Jahre die entsprechenden Glaubenssätze wie „es nicht zu können oder zu dürfen“ eingeschliffen haben.

Schließlich laufen die meisten Menschen links und rechts von uns auch immer schön in den vorgesehenen Bahnen. Nicht ausscheren, immer schön auf Spur bleiben. Sicher. Praktisch. Gut. Doch was, wenn du mehr willst als „gut“? Ist das dann im Rahmen? Darfst du das? Und wer hat dir das eigentlich erlaubt?

Wenn du im Schwarm überholen willst, fangen die Selbstzweifel an. Was werden die anderen dazu sagen? Du trittst aus der Masse heraus und machst plötzlich dein Ding. Das findet bestimmt nicht überall Zustimmung. Schließlich beweist du den anderen, dass möglich ist, was sie selbst vielleicht nicht wagen.

Um wieder auf unseren Spitzenfussballer zurückzukommen, er ist seinen Weg gegangen. Andere Kinder hatten vielleicht Freizeit und haben andere Dinge getan, als jeden Tag zu trainieren. David Garrett hat sicher auch in seiner Kindheit mehr Geige geübt als mit Freunden abzuhängen. Auch als Erwachsener fällt man aus dem üblichen Raster, wenn man zu Hause bloggt und am nächsten Tag im Büro nicht über das Abendprogramm im Fernsehen mitreden kann.

Ich habe Jahre gebraucht, um über Nacht berühmt zu werden. (Harry Belafonte)

Es ist eine bewusste Entscheidung, etwas anderes zu machen als die anderen. Die, die heute sichtbar erfolgreich sind, haben meist Jahre zuvor unsichtbar angefangen ihr Erfolgsfundament zu gießen. Sie haben mit ihrer Zeit und teilweise mit Geld eingezahlt in ihren Traum. Sie konnten damals auch nicht sicher wissen, ob sich das alles irgendwann auszahlt. Doch sie entschieden sich, daran zu glauben. Sich heute hinzustellen und zu behaupten, früher wäre alles einfacher gewesen und jetzt ginge es nicht mehr weil… ist wohl eher Schutzbehauptung als Argument.

Ich beschäftige mich mit dem Bloggen, lese viel und bekomme natürlich mit, es gibt da draußen eine Menge sehr gute Blogs. Da können schon Zweifel hochkommen, ob es sich jetzt noch lohnt. Mir kommt manchmal der Gedanke, der Zug ist abgefahren. Doch was, wenn ich es nicht versuche? Meine Antworten darauf:

  1. Wenn ich es nicht versuche, ist hundertprozentig klar, dass es nicht klappt.
  2. Es nicht wenigstens auszuprobieren werde ich später mehr bereuen, als damit auf die Nase zu fallen.

Lass die Zweifel – lebe bunter!

Einem Schwarm zu folgen mag früher überlebenswichtig gewesen sein, heute ist es wohl eher Unwissenheit oder Bequemlichkeit. Im besagten Video kommt der Alltag etwas fad daher. So als ob das mit dem Strom schwimmen den Kontrast eines Einzelnen rausfiltert. Aus den Farben von vielen wird ein gemeinschaftliches Grau. Da sind die Bowlingabende oder das gemeinsame Fußball gucken schon die Rosinen in der Suppe des Alltags. Und einzig der Jahresurlaub lässt den einen oder anderen tapfer durchhalten. Doch ist es das wert? Ein ganzes Jahr zusammenreißen für 3 Wochen Freiheit?

Wenn dir etwas nicht gefällt, ändere es, BEVOR es dich VERÄNDERT.

Vor ein paar Jahren kam ich mir mehr wie ein Außenseiter vor (freiberuflich und angestellt, nix 9-5). Mein Eindruck ist jedoch, dass es zunehmend leichter wird, anders zu sein. Normal läuft scheinbar aus. Das bedeutet einerseits mehr Freiheit, andererseits allerdings auch die Verantwortung mit dieser Freiheit umzugehen.

“Gott verdammt! Wir hätten fast gelebt, Jungs.” (Fight Club)

Wie viel anders wäre Manuel Neuers Leben verlaufen, wenn er Softwareprüfer wäre und nicht Profifußballer? Im Filmchen sagt er: „Ich hatte die idealen Voraussetzungen, die richtige Größe… ich glaub, wenn ich es wirklich probiert hätte, dann hätte ich es auch schaffen können, Profitorwart zu werden.“ Diese Aussage macht mich echt traurig. Wie oft wird dieser Satz so oder so ähnlich wohl in späteren Jahren mit tiefster Wehmut ausgesprochen???

Ich möchte dich ermuntern in dich hineinzuhören. Lausche deiner Melodie und auch wenn sie jetzt noch sehr leise sein mag, lerne sie immer besser herauszuhören im Lärm des Alltags. Sie wird lauter, je öfter du dich ihr widmest. Folge deiner Freude! Lass uns zusammen die sein, die immer mehr sie selbst sind. Die, die ihre Einzigartigkeit leben und damit wiederum andere ermutigen es ebenfalls zu tun.

Was ist es, was in dir schlummert?

Was würdest du tun, wenn du nicht scheitern könntest?

Wer wärst du und wie wärst du, wenn du dich entscheidest so richtig du zu sein?

Was kostet es dich, wenn du so weitermachst wie bisher?

Wo wirst du dann in 5 oder 10 Jahren sein?

Wer wirst du sein, wenn alles so bleibt wie bisher?

Mit welchen Menschen wirst du deine Zeit verbringen? (Hier erfährst du, warum dein Umfeld so wichtig ist.)

Es ist deine Wahl, wie du die Karten spielst, die das Leben dir austeilt. Tu das, was ganz dir entspricht und lebe deine Einzigartigkeit. Mach es, auch wenn du (noch) nicht weißt, wie es geht. Mach es, auch wenn du deine Zweifel spürst. Mach es, denn je weiter du gehst, je mehr Erfahrungen du sammelst, desto leichter wird der Weg. Lass uns doch (zumindest virtuell) ein Stück zusammen gehen, dann sind wir zusammen einzigartig und nicht mehr anders.

Mit dem Slogan des kleinen Werbestreifens, der das alles hier ausgelöst hat möchte ich den Artikel passender Weise beenden: Wer’s nicht probiert, wird’s nicht erleben.

Mach die Türen ganz weit auf und lass dein Leben rein ;o)

Susan

 

 

 

 

 

 

Foto: Frauke Wettwer